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Zu Besuch bei einer japanischen Familie

June 30th, 2008  |  Published in Old  |  1 Comment

Im Rahmen des Blockkurses des dritten Semesters hatten die Studenten die Chance, sich mit einer japanischen Familie zu treffen. Organisiert wurde dies von Frau Fujita in Zusammenarbeit mit dem Nihon-Club. Ich habe die Chance gehabt, zwei der Teilnehmerinnen mal zu sprechen und ihnen einige Fragen zu stellen. An der Stelle vielen Dank an die beiden, die sich trotz stressiger Endphase des Semesters trotzdem Zeit genommen haben, um die Fragen zu beantworten.

Möchtet ihr euch kurz vorstellen?

Jessica: Ich heiße Jessica, und studiere im 4. Semester Modernes Japan.
Maggie: Ich heiße Maggie, bin Modernes Japan-Studentin schon im 4. Semester, und 21 Jahre alt. Meine Hobbies sind… nein, mehr nicht : p

Warum habt ihr euch für den Blockkurs (Besuch) entschieden?

Jessica: Ich dachte, es ist eine gute Gelegenheit, mal eine japanische Familie zu treffen, und man kann bestimmt direkte Kommunikation üben, ohne vorher, wie im Kurs, die Antworten zu kennen.
Maggie: Da es von vornherein klar war, dass der Blockkurs mit dem Familienbesuch gekoppelt war, fand ich, dass es eine sehr gute Gelegenheit war, “richtig” japanisch zu sprechen, besonders wenn man noch keinen Tandempartner hat wie ich. Also warum die Chance nicht nutzen? Vor allem wenn man mehr oder weniger gezwungen wird, einen Besuch zu machen, kann man sich auch nicht davor drücken : )

Gab es außer euch sonst noch viele, die diese Chance genutzt haben?

Jessica: Nein, leider nicht. Wir waren insgesamt nur 8 Leute.

Was haltet ihr von dieser Idee?

Jessica: An sich ist die Idee sehr gut, vor allem, mit der japanischen Community (Nihon-Club) zusammen zu arbeiten, weil so vielleicht Ängste/Skrupel von beiden Seiten etwas abgebaut werden. Z.B. glaube ich, dass Japaner sich nicht so gerne mit Deutschen hier unterhalten, einfach weil sie die deutsche Sprache oft nicht so gut beherrschen. Deswegen kommt es beiden Seiten entgegen, wenn sie sich mit Japanischstudenten treffen.
Maggie: Wie gesagt, super. Da der Besuch für Jez und mich sehr positiv verlief, kann man natürlich auch nicht klagen. Abgesehen vom Japanisch-Gebrauch kann man insofern auch davon profitieren, als dass man dadurch viel von der japanischen Community erfährt; und natürlich auch die japanischen (Alltags-) Sitten und Gebräuche mal “live” miterlebt.

Welche Vorbereitungen musstet ihr treffen?

Jessica: Wir mussten uns noch einmal Keigo (Höflichkeitsformen) angucken, und ein Gastgeschenk vorbereiten. Und natürlich einen Termin ausmachen.
Maggie: Der Blockkurs am Ende des 3. Semesters beinhaltet ein Großteil der Vorbereitung. Da haben wir das Telefonat geübt; mögliche Situationen, die beim Besuch entstehen könnten, und auch, wie man sich nach dem Besuch verhalten soll; also einen Brief / eine Postkarte schreiben und sich bedanken. Ein Gastgeschenk musste entweder gekauft oder gemacht werden… Das Festigen von Keigo und Sonkeigo (also ehrerbietige und höfliche Sprechweisen) war auch essentiell… wobei man sagen muss, dass wir dann im Gespräch selber wenig davon benutzt haben… Schande über unsere Häupter…

In wie weit haben Frau Fujita oder andere Institutsleute euch unterstützt?

Jessica: Fr. Fujita hat ja den Kurs geleitet, und uns einige Tipps zum Verhalten gegeben. Das war eigentlich schon genug.
Maggie: Im Blockkurs wurden uns die Verhaltensregeln und auch ein paar Floskeln näher gebracht. Dabei hat sich Frau Fujita sich sehr um jeden einzelnen bemüht; waren ja auch nur 8 Leute. Beim Üben des Telefonats und auch beim Rollenspiel wurde dann noch Herr Horie mit einbezogen…

Welche Erwartungen habt ihr von dem Besuch gehabt?

Jessica: ….schwierig. Eigentlich wollte nur mal länger mit Japanern reden, und mal so das japanische Leben in Deutschland näher kennenlernen.
Maggie: Uns wurde im Vorfeld ja schon einiges von der Familie erzählt; meistens wusste man vom Familienstand und Wohnort. Nach der telefonischen Terminvereinbarung konnte man sich dann ein Bild von dem Gesprächspartner machen…

Wie war der erste Eindruck?

Jessica: Die Familie war für japanische Verhältnisse sehr groß (4 Kinder, von denen 3 zuhause waren). An sich war das ganze anfangs sehr förmlich, aber nach und nach ging es. Sie waren natürlich sehr höflich, und das Essen war super. :D
Maggie: Ein bisschen steif, weil der Vater zunächst alleine in der Wohnung war…ihm war es wohl ein bisschen unangenehm, dass seine Frau nicht da war…

Was waren die Gesprächsthemen?

Jessica: Wir haben über ziemlich viel geredet, erstmal halt über das, was wir so machen, wo wir herkommen, etc. (Ja, der Unterricht bringt in der Richtung wirklich was. :D) Dann über viele verschiedene Themen, wie halt Japan, Dialekte, das Leben in Deutschland, usw.
Maggie:
Sehr unterschiedlich. Man fragte uns immer wieder, ob wir noch Fragen an sie haben. Vorrangig ging es natürlich um Japan, Architektur, Religion, Essen und die japanische und deutsche Sprache.

Verfolgen Japaner aktuelle Geschehen in Europa? EM08 zb.

Jessica: … ich denke schon, wobei mir jetzt gerade nicht einfällt, ob wir darüber geredet haben…

Wie war die Wohnung eingerichtet?

Maggie:
Das, was sie unter einer deutschen Einrichtung wahrscheinlich verstanden… viele kleine Tellerchen mit deutschen Motiven (alte Bauernhäuser etc.) hingen an den Wänden, alte Gebrauchsgegenstände… Allerdings weiß ich nicht, ob die Deko nicht vielleicht schon da war, als sie eingezogen waren. Die Schränke waren ebenfalls sehr deutsche, massive Eichenschränke (soweit ich mich erinnern kann)… Die Regale standen aber voller japanischer Bücher, und einen Reiskocher habe ich auch gesehen ; )

Welches Interesse haben sie an Euch gezeigt?

Jessica: Sie haben, besonders die Mutter, schon ziemlich viel gefragt, und schienen ziemlich interessiert. Der Vater schien etwas stoischer… Aber die Kinder haben auch zugehört, bis sie spielen wollten.

Wie offen waren sie?

Jessica: Eigentlich schienen sie ziemlich offen, sie sagten, dass wir alles fragen können, was uns einfällt, wobei man ja nicht wildfremde Leute aus heiterem Himmel persönliche Sachen fragt…

Wie stark kam die Rollenverteilung (Stichwort ie, sarariiman) in der Familie zum
Vorschein?

Jessica: Sie war schon erkennbar. Der Mann hat gearbeitet, die Frau sich um die Familie gekümmert. Sie hat auch das Essen geholt, eingeschenkt, etc. Wobei sie, wenn sie geredet haben, sich schon gegenseitig geneckt haben.
Maggie:
In der Familie war die Rollenverteilung sehr “klassisch”: Der Vater (kein Sarariiman, aber Lehrer) ging arbeiten und die Frau kümmerte sich um Haus und Kinder.

Wie gut klappte die Kommunikation?

Jessica: Meistens war es okay, wobei es auch Passagen gab, in denen wir nichts verstanden haben. Aber man konnte sich alles noch mal erklären lassen, und sich gegenseitig austauschen.
Maggie:
Ich würde sagen, dass ich 2/3 von dem, was sie sagten, verstanden habe…Oft kam die Situation, dass man nicht genau wusste, was exakt sie gesagt haben, aber im Kontext (und mit der Hilfe von Jez ;)) war das meiste verständlich. Ein paar mal musste dann auch der Wordtank zwecks Übersetzung herhalten, aber alles in allem war das Gespräch sehr flüssig und die zwei Stunden gingen schnell um.

So in etwa könnte es also aussehen, wenn wir Zweitsemester im kommenden Jahr den Blockkurs besuchen und Frau Fujita uns dann zu einer japanischen Familie schickt. Also unbedingt das Keigo festigen. Wir wollen ja nicht, dass die Japaner denken, wir seien alles rüpelhafte, ungehobelte Deutsche, wie die beiden aus dem Interview ;)

Noch einmal vielen Dank an Jessica und Maggie für ihre Zeit.



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Wer steckt hinter dailynihongo.de?

Mein Name ist David, Student an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit Kernfach Modernes Japan, derzeit im 5. Semester. Seit September 2009 bin ich Austauschstudent an der Keio Universität in Tokyo.

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